Nach mehreren Tagen Projektbesprechung mit dem Kunden, einem schriftlichen Angebot, einigem Mailhinundher erhalte ich eine Nachricht, ich sei zu viel teuer, man habe sich für einen Nachwuchskünstler von der Hochschule entschieden.  Puh....

 

Erstens: Student:innen der Hochschulen sind keine billigen Arbeitskräfte. Sie stecken viel Zeit, Hirnschmalz und auch Geld in ihre langjährige Ausbildung. Wir haben nicht umsonst den Mindestlohn in Deutschland, von dem diejenigen, die ihn gerade so bekommen, auch noch kaum leben können. Die Kommentarspalten der sozialen Netzwerke sind voll von Forderungen nach ordentlicher Bezahlung für Jeden.

Ich gehe nicht zum Friseur, lasse mich stundenlang für lau beraten und sage ihm dann, vielen Dank für dein ganzes Wissen und deine Zeit und dann kaufe ich Produkte, von denen ich keine Ahnung habe in der Drogerie und habe am Ende grüne Haare. Oder gehe zum Bäcker und erzähle ihm, ich mache meine Brötchen selbst, viel billiger, verschweige aber, wieviel Geld ich schon in katastrophalen Ergebnissen versenkt habe. Gute Lebensmittel herzustellen mit unbelasteten Zutaten ist eine Kunst, ich spreche aus Erfahrung. Gute Illustration ist nichts anderes. Es ist eine Kunst, die erlernt sein will, sie ist das Zusammenfügen von sehr sehr viel Zeit, Geduld, einer Menge Erfahrung und Können und dem Wissen, was man da tut. Und die eben wie jede Kunst Kosten mit sich bringt, die am Ende wieder hereingeholt werden müssen. Wo wenig Preis zu bezahlen ist, ist eben auch wenig Substanz zu bezahlen. Ich hoffe, der Nachwuchskünstler hat bereits genug Standing, keine unbezahlten Korrekturschleifen über sich ergehen zu lassen, es sei ihm zu wünschen.

 

Zweitens: WENN jemand weit unter seinem Wert arbeitet, dann arbeitet er entweder nicht gut (und ich habe jedes Jahr Kunden, die zu mir kommen, weil es mit angeblich billigen Anbietern vorher nicht funktioniert hat oder weil der Bekannte zwischenzeitlich aufgeben musste und es jetzt doch bitte ordentlich gemacht werden soll) oder er arbeitet anderen Arbeitsstellen zu und hat damit halt auch weniger Zeit oder traut sich ob seiner fehlenden Fähigkeiten keine höhere Kalkulation zu.

 

Wenn man Hochschulstudenten also beschäftigen möchte, dann bitte zu ordentlicher Bezahlung und guten Arbeitsbedingungen. Ansonsten empfehle ich IMMER, einen guten, erfahrenen Anbieter zu wählen, der ist in der Lage, viele Probleme von vornherein zum umgehen.

 

Soviel vorab.

 

Die Frage, warum wir also "so teuer" sind, ist die falsche Frage. Denn "teuer" ist nichts anderes, als ein subjektiver Begriff, der offenbart, dass man nicht das nötige Budget für professionelle Arbeit hat und der zu nichts führt, außer dazu, dass der Gefragte sich schlecht fühlt und ein schlechtes Gewissen bekommt, weil er Preise kalkuliert, die ihm ein Leben sichern. Es ist also schlicht nicht fair und noch dazu entlarvt sich der Fragende ob seiner geringen Wertschätzung. Man sollte also ehrlich zu sich selbst sein und lieber direkt eine kostengünstigere Alternative in Betracht ziehen.

 

Sollte man schlicht am Zustandekommen eines Preises interessiert sein, sollte man lieber nach der Kalkulation, der Zusammensetzung und der Kostendeckung fragen. Ein kleiner Exkurs: Selbstständige Illustratoren, die keinem weiteren anderen Job nachgehen, leben also ausschließlich von diesem Einkommen. Das heißt: Sie räumen ihren Kunden ihre begrenzte Zeit exklusiv ein. Das heißt nicht, dass man als Kunde auch exklusiven Anspruch auf eine 24/7-Verfügbarkeit hat. Es heißt nur, dass kein Zweitjob die Projekte gefährdet, was an sich wünschenswert ist. Es heißt aber auch, dass alle, wirklich alle Kosten einkalkuliert werden und das ist bei JEDEM Selbstständigen, ob Illustrator, ob Friseurin, Kosmetiker, Bäckerei, jedem Unternehmen so.

 

Und das ist der eigentliche Grund für unterschiedliche Preise: Unterschiedliche hohe Kosten der Anbieter:innen. Wir alle leiden unter hohen Mieten, steigender Lebenshaltung, Verknappung usw.

Wenn diese Kosten nicht gedeckt sind, haben wir Illustratoren zwei Möglichkeiten: Realistische Preise zu kalkulieren oder aufzuhören. Schlimmstenfalls wird das Projekt dann mittendrin beendet, weil der Anbieter sich einen festen Job suchen musste.

Hinzukommt, dass Illustratoren zusätzlich Nutzungsrechte berechnen, weil der Kunde (oder die Kundin) mit den Arbeiten des Illustrators Erlöse generiert. Das ist gesetzlich so verankert und darauf können Kreative auch nicht verzichten.

Darüber hinaus müssen Selbstständige ihre Krankenversicherung etc selbst tragen, denn wir alle wollen ja nicht, dass sie ein Fall fürs Sozialsystem werden, oder? Das heißt, jeden Monat 800 € und mehr nur für Krankenkasse, Rentenversicherung usw leisten zu müssen bei einem ziemlich bescheidenen Jahreseinkommen von 20.000 € brutto und nahezu nichtigen, späteren Renten. Den Selbstständigen geht es also keinesfalls besser als den Angestellen und sie können sich auch keinen Porsche, Ferrari oder goldene Wasserhähne verdienen, jedenfalls Illustratoren in der Regel nicht. Als Luxusimmobilienmakler sind auch die wenigsten von uns geeignet und dass man es sich doch ausgesucht habe, ist auch kein wohlwollendes Argument, denn das müsste man einem Angestellten ebenfalls unterstellen, was ziemlich absurd wäre. Jeder arbeitet das, was ihm am meisten liegt und letztlich wollen wir alle nur ein ausreichend gutes Leben haben, Angestellte wie Selbstständige, Kunden wie Anbieter.

 

Wenn wir also auf dem Teppich der Realität stehen, sind die Preise von Illustratorinnen und Illustratoren in den seltendsten Fällen völlig überzogen und damit eben auch nicht "zu teuer", sondern tatsächlich gerade so angemessen. Wenn man ein begrenztes Budget hat, kann man den Anbieter freundlich um ein passendes Leistungsangebot bitten, das er für dieses Budget leisten kann.